Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
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Lebensmittel wertschätzen und nicht wegwerfen

05.09.2017

In der Zeche Carl in Essen traf sich die Regionalgruppe Ruhrgebiet zu einem Vortrag mit Dipl. Ökotrophologin Antonia Blumenthal (Verbraucherzentrale NRW) über die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung in Ganztagsschulen und daheim. Zur Menge der Lebensmittel, die jede Person ungegessen in den Abfall schmeißt, existieren verschiedene Zahlen. Werden die nicht verzehrbaren Abfälle wie Bananenschalen und Putzverluste abgezogen, entstehen pro Person und Jahr etwa 53 kg vermeidbare Lebensmittelabfälle. Den höchsten Anteil bei den Abfällen haben Obst und Gemüse (49 %), gefolgt von selbst zubereiteten Mahlzeiten und Fertiggerichten (15 %) sowie Backwaren (14 %). Fleisch, Fisch und Milchprodukte machen mit 11 % den geringsten Anteil bei den Lebensmittelabfällen aus.

Vortrag von Dipl. Ökotrophologin Antonia Blumenthal

Vortrag von Antonia Blumenthal (Verbraucher­zentrale NRW),
Foto U. Paaßen

Was sind die Ursachen für die Lebensmittel­verschwendung?

Wir haben heute die Möglichkeit im Kühlschrank mehr Lebensmittel länger zu lagern. Während 1952 nur 2 Prozent der Haushalte einen Kühlschrank besaßen, wurde 2016 in 100 % aller deutschen Haushalte ein Kühlschrank genutzt (Sie verlassen die Internetseite Statistisches Bundesamt: Ausstattung privater Haushalte mit elektrischen Haushalts- und sonstigen Geräten - Deutschland). Darüber hinaus kosten Lebensmittel heute relativ wenig Geld und sind ständig verfügbar. Sonderangebote verführen zu Spontankäufen, die später nicht gegessen werden. Andere Gründe für Lebensmittelverschwendung sind die falsche Lagerung von Lebensmitteln, Zeitdruck oder der Einkauf von zu vielen Nahrungsmitteln. Aber nicht nur Verbraucher werfen Lebensmittel in den Abfall, es werden bereits Lebensmittel entsorgt, bevor sie überhaupt in den Handel kommen. In diesem Fall wird nicht von Abfällen, sondern von Lebensmittelverlusten gesprochen. So werden beispielsweise Salate untergepflügt, weil das Aussehen der Köpfe von dem gewünschten Standard abweicht. Empfindliche Lebensmittel wie Erdbeeren können bereits während des Transportes verderben. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) birgt viele Schwierigkeiten: Viele Verbraucher kaufen Produkte mit dem längsten MHD, dann bleiben Artikel mit dem kürzeren MDH im Regal liegen. Einzelhändler nehmen Produkte nicht an, wenn nicht mehr die gewünschte Haltbarkeit gewährleistet ist oder die Lebensmittel werden vor Erreichen des MHD entsorgt.

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein ökologisches Problem. Denn für die Herstellung von Lebensmitteln werden Energie, Wasser und andere Rohstoffe gebraucht. Werden diese Lebensmittel in ärmeren Ländern für uns hergestellt, belegt der Anbau Ackerflächen, die der einheimischen Bevölkerung nicht zur Verfügung steht. In einer globalisierten Welt beeinflusst der Verlust von Lebensmitteln die Nachfrage und damit den Preis. Erhöhte Preise für Lebensmittel trifft immer die ärmere Bevölkerung. Deshalb ist eines der Sie verlassen die Internetseite Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 die Lebensmittelabfälle zu halbieren.

Mitglieder der Regionalgruppe Ruhrgebiet mit der Keramikmeisterin

Abbildung 2: Mitglieder der Regionalgruppe Ruhrgebiet lauschen dem Vortrag (Foto G. Wegner)

Lebensmittelabfälle vermeiden

Um Wege zu finden, die Menge der Lebensmittelabfälle zu reduzieren, wurde das Sie verlassen die Internetseite Forschungsprojekt „REFOWAS“ (Pathways to Reduce Food Waste) ins Leben gerufen. Projektpartner sind das Johann Heinrich von Thünen-Institut, die Universität Stuttgart, das Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (iswa), das Max Rubner-Institut und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherzentrale NRW erarbeitet Konzepte, um die Lebensmittelabfälle in der Schulverpflegung zu senken.
Bisher wurden für das Projekt 19 Schulen ausgewertet. Um eine Datengrundlage zu haben, wurden zunächst im Rahmen des Projektes die Abfallmenge über 10 Tage gemessen. Zur Ermittlung der Abfallmenge wurden sowohl die Tellerreste als auch die Ausgabenreste gemessen. Die Abfallquote lag zwischen 7 % und 46 %. Durchschnittlich landeten 25 % der produzierten Speisemenge als Ausgabereste und Tellererste im Abfall. Nicht berücksichtigt wurden Abfälle aus Lagerung, eingelagerte Komponenten, Putz- und Küchenabfälle sowie Fehlproduktion. In zwei Schulen wurden die Lebensmittelabfälle sogar in die Komponenten getrennt. Dabei stellte sich in einer Schule heraus, dass die Stärkebeilage alleine 44 % der Ausgabereste ausmachte.

Gründe für die Lebensmittelverschwendung

Oft war unzureichende Kommunikation an den Schulen der Grund für Lebensmittelverschwendung. Fehlte die Information, welche Kinder nicht zum Essen kommen, wurden zu viele Mahlzeiten produziert. Viele Abfälle entstanden, wenn nicht Kind gerechte Speisen wie Bananen Fisch Curry gekocht oder Komponenten wie Salsa-Soße zu Hamburgern angeboten wurden, die die Kinder nicht mochten. In einer Schule wurde das Mittagsbuffet zwischen den Klassenstufen komplett ausgetauscht und alle Lebensmittelreste in den Müll entsorgt. Grundsätzlich sind beim Büfett die Ausgabereste häufig höher und die Tellerreste niedriger, während es bei der Cafeteria Linie eher umgekehrt ist.

Wege zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle

Eine Analyse der Situation hilft, individuelle Maßnahme für die Schule zu entwickeln. Hierfür müssen die Speisereste erhoben und bewertet werden.
Durch die Einführung von Feedback-Systemen kann die Kommunikation zwischen den Akteuren verbessert werden. Melden sich Schüler/innen von den Mahlzeiten ab, kann eine Überproduktion vermieden werden.
Die Akzeptanz der Verpflegung wird deutlich erhöht, wenn die Schüler/innen und Kinder in der Kita in die Verpflegung einbezogen werden.
Das durch diese Maßnahmen eingesparte Geld sollte in die Qualität der Mittagsmahlzeit investiert werden.
Darüber hinaus sollten die Maßnahmen kontinuierlich weitergeführt werden. Durch die Integration des Themas in den Alltag können weitere Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.
Es wäre wünschenswert, wenn das Thema Lebensmittelverschwendung fächerübergreifend in den Unterricht integriert würde.

Weiterhin ist für das Jahr 2017 geplant, eine Praxishilfe für eine abfallarme Schulverpflegung und Videoclips mit Erklärungen für Schulküchen zu erarbeiten. Darüber hinaus sollen Mess- und Auswertungstools entwickelt werden, um Abfalldaten aus den Schulen zu erfassen. Außerdem wurden für die Schulen Schilder mit Hinweisen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen entworfen, beispielsweise eine halbe Portion zu verlangen, oder unbekannte Speisen zunächst zu probieren.
Frau Blumenthal hat mit großer Ausdauer unsere vielen Fragen beantwortet und das Projekt sehr gut erklärt. Wer mehr wissen möchte, kann sich unter den folgenden Links informieren:

Antonia Blumenthal, Frank Waskow (2017): Sie verlassen die Internetseite Wege zu einer nachhaltigen Schulverpflegung. Lebensmittelabfälle vermeiden. ERNÄHRUNG IM FOKUS 05–06 2017. (PDF-Datei)

Sie verlassen die Internetseite Projektbeschreibung des Projektes „REFOWAS“

Sie verlassen die Internetseite Verbraucherzentrale NRW (2017): Lebensmittelverschwendung im Haushalt. (PDF-Datei)

Sie verlassen die Internetseite Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Zu gut für die Tonne.

Urte Paaßen