Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
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Keramische Werkstatt „Margarethenhöhe“

20.6.2017

Bei wunderschönem, sonnigem Wetter fanden wir auf dem Gelände der Keramikwerkstatt (Zeche Zollverein) einen schattigen Parkplatz. Begrüßt wurden wir von der Keramikmeisterin Daniela Glattki mit erfrischendem Wasser aus einem Keramikkrug.

Hier bemerkte man gleich das Prinzip der klaren praktischen und edlen Formen. Alle Gefäße müssen gut benutzbar und händelbar sein, also alltagstauglich. Die Formen sind schlicht gehalten und stapelbar.

Keramische Werkstatt „Margarethenhöhe“

Foto G. Wegner

Eindruck macht eine Schale, die nicht nur die Form eines Blattes, sondern auch dessen Maserung aufweist. Daniela Glattki zeigte uns den Baum mit diesen außergewöhnlich großen Blättern vor der Tür und erläuterte, dass mit einem Blatt eine ganze Serie von Schalen geformt wird. Überhaupt ist in diesem Betrieb Serienfertigung angesagt.

Vordere Maschinenhalle

Abbildung 2: Schalen in Blattform
(Foto G. Wegner)

Schauen wir jedoch zurück in die Geschichte. Die Keramische Werkstatt wurde 1924 von Margarethe Krupp gegründet und befand sich in der Siedlung Margarethenhöhe in Essen. Die Intention war, keramische Gegenstände herzustellen, die die Häuser und den Alltag verschönern. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel ist die nun heutige Werkstatt seit 1986 unter der Leitung von Young-Jae Lee. Sie nahm das Manufakturprogramm mit Serienproduktion eines speziell entworfenen Geschirrs unter Rückbesinnung auf die formalen Grundprinzipien des Bauhauses wieder auf. 1987 wurde die Werkstatt auf dem Gelände der Zeche Zollverein, an der Bullmannaue heimisch.

Mitglieder der Regionalgruppe Ruhrgebiet mit der Keramikmeisterin

Abbildung 3: Mitglieder der Regionalgruppe Ruhrgebiet mit der Keramikmeisterin Daniela Glattki (rechts)
(Foto G. Wegner)

Lebhaft erzählt uns die Keramikmeisterin bei unserer Besichtigung von ihrer Arbeit und mit wie viel Freude sie jedes einzelne Stück anfertigt.

Nachdem wir die Rohlinge angeschaut hatten, wurden wir in die Welt der Lasur und des Brandes entführt. Die Glasuren mit ihren matten bis glänzenden Oberflächen und den aufeinander abgestimmten Farben werden im Gasofen bei ca. 1300 °C gebrannt. Schon das Bestücken des Brennofens ist eine Kunst, denn je nach Glasur sind leicht unterschiedliche Temperaturen notwendig. Da der Ofen ebenfalls nicht an allen Stellen eine gleiche Temperatur aufweist, ist ein gekonntes Einräumen notwendig.

Rohlinge im Regal

Abbildung 4: Rohlinge im Regal (Foto G. Wegner)

Wenn nun der Brennofen in Aktion ist, verlässt sich niemand nur allein auf die Einstellung des Ofens. Der Ofen weist zwei kleine Gucklöcher auf, so dass von außen ein Blick riskiert werden kann. In Höhe dieser Gucklöcher stehen innen je ein „Seger Kegel“. Wenn dieser Kegel schmilzt –er neigt sich dann- ist die Temperatur erreicht und der Brennofen wird ausgeschaltet.

Brennofen

Abbildung 5: Brennofen samt Tür mit dem Guckloch oben rechts und unten links (Foto G. Wegner)

Seger Kegel

Abbildung 6: Seger Kegel (Foto G. Wegner)

Zum Schluss werden wir in den Ausstellungsraum geleitet und können die gesamte Produktionspalette anschauen. „Jedes Gefäß ist eine Meditation, aus der Wiederholung des Handwerkes wächst die vollkommene Schönheit einer Form“, so steht es auf der Internetseite und es ist nachvollziehbar.

Keramikschalen im Regal

Foto G. Wegner

Hier können wir noch einmal die Vorgaben direkt erfassen: Jedes Stück muss gut zu benutzen sein, alle Teile eines Geschirrs, gleich welcher Farbe, sollen miteinander kombinierbar sein. Die Farbschattierungen reichen von Jadegrün über ein gebrochenes Weiß bis zu Rostbraun. Diese Grundzüge des Manufakturprogramms haben sich bis heute nicht verändert, sind keiner Mode und keinem Zeitgeist unterworfen. Alle Stücke sind zudem spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet.

Keraikgefässe

Foto G. Wegner

Zum Abschluss erfuhren wir, dass die Produkte in alle Welt versandt werden. So erlebten wir einen nicht alltäglichen Einblick in die Herstellung von keramischen Erzeugnissen.

Wenn Sie die Keramikwerkstatt in der Bullmannaue 19 besuchen möchten: Mo-Fr: 09.00 - 17.00 Uhr, Sa-So: 11.00 - 15.00 Uhr geöffnet.
Weitere Infos unter Sie verlassen die Internetseite Keramische Werkstatt Margarethenhöhe GmbH.

gw