Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
Folgen Sie uns auf Facebook

Besuch der Zeche Zollern

10.6.2017

Was liegt für die gleichnamige Region näher als eine Zeche im Ruhrgebiet zu besuchen. Dazu trafen wir uns in Dortmund, um uns die Jugendstilzeche Zollern anzuschauen, die auch gern als Schloss der Arbeit tituliert wird. Diese Zeche gilt als eine der schönsten Zeugnisse industrieller Vergangenheit.

Schon der Eingang mit einer „Auffahrt“ und Blick auf die ehemalige Zechenverwaltung (Abbildung 1) lässt die Besucher staunen. Die Eingangshalle mit dem prunkvollen Aufgang erinnert an die Villa Krupp in Essen, so einige Kolleginnen. Selbst die Fassade der Lohnhalle mit Ihren Türmchen rechnet man eher einem Schloss zu als einer Zeche.

Zechenverwaltung

Abbildung 1: Zechenverwaltung (Foto G. Wegner)

Zollern II/IV entstand in den 1890er Jahren und nahm bereits 1902 ihren Betrieb auf. Sie galt als Musterzeche der damals größten deutschen Bergwerksgesellschaft, der GBAG. Schon sehr früh wurde der renommierte Architekt Paul Knobbe mit den Planungen beauftragt.

Von Christine Fleury-Fuchs erfuhren wir, dass in dem Verwaltungsgebäude auch mehrere Bäder untergebracht waren. Hier konnten die hohen Herren baden, nachdem sie auf der Zeche nach dem Rechten gesehen hatten. Selbstverständlich durften einfache Arbeiter weder den Zugang noch die Villa betreten. Ihr Weg ging außen herum.

Selbst die Maschinenhalle mit ihrem Jugendstilportal gleicht innen mit ihrem Kreuzschiff einer Kathedrale. Die Schaltwand ist aus Marmor gefertigt. Heute findet man hier sauber geputzte Maschinen, die nicht mehr an den Schmutz und Dreck von einst erinnern.

Vordere Maschinenhalle

Abbildung 2: Vordere Maschinenhalle (Foto G. Wegner, zur Vergrößerung klicken Sie bitte auf das Bild)

Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass auch auf dieser Zeche „malocht“ wurde bis zum Umfallen, wie man im Ruhrgebiet sagt. Die Arbeiter wogen meist unter 60 Kilogramm, Lehrlinge brachten oft nur 30 kg auf die Waage. Das war das vorgeschriebene Mindestgewicht. Die Arbeit war schwer, dreckig und gefährlich. Nach der Schicht wurde in der Waschkaue mit über 60 Leuten geduscht. Hier half man sich gegenseitig durch das „buckeln“.

Der Lohn war nicht üppig und hing auch noch von der geförderten Kohle ab. Die Arbeitskleidung sowie die lederne Kopfbedeckung mussten selbst bezahlt werden. Natürlich wurde die Kleidung auch selbst gewaschen. Hier waren die Frauen zuständig. Sie hatten das Wirtschaftsgeld und waren auch für die Nahrungsbeschaffung zuständig. Für das Essen musste zu damaliger Zeit ca. 60 % des Lohnes ausgegeben werden. Deshalb wurden auch Obst und Gemüse selbst angebaut.

In der Lohnhalle ist eine Ausstellung über das Leben im und um das Bergwerk angesiedelt. Hier erfährt man viel über das damalige harte Leben. Beeindruckend ist auch die karge Beleuchtung unter Tage, die wir in einem kleinen Durchgang erleben konnten. Daher kam es auch immer wieder zu Unfällen. Um einen Eindruck von der Arbeit der Bergleute zu bekommen, sind einzelne Stationen der Arbeit im Förderturm zu besichtigen. Hier bekamen wir u. a. einen Eindruck von dem taub machenden Lärm im Bergwerk.

Wenn man allerdings heute den Förderturm erklimmt, hat man eine wunderbare Aussicht auf die Städte Dortmund, Castrop-Rauxel und Bochum.

Der Förderturm

Abbildung 3: Der Förderturm (Foto G. Wegner)

Ein Blick vom Förderturm auf einen Teil der Zechenanlage

Abbildung 4: Ein Blick vom Förderturm auf einen Teil der Zechenanlage (Foto G. Wegner)

Da auch Pferde als Schlepper auf der Zeche arbeiteten, gab es einen Pferdestall, der heute als Restaurant genutzt wird. Hier nahmen wir ein Mittagessen mit Köstlichkeiten aus der Region ein.

Pferdestall

Abbildung 5: Pferdestall (Foto G. Wegner)

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Einige Kolleginnen/Besucher nutzten die Zeit die Zeche weiter zu erkunden und die Ausstellung von Erich Grisar anzuschauen. In dieser Ausstellung erlebt man Ruhrgebietsfotografien von 1928-1933.

Ausstellung von Erich Grisar

Abbildung 6: Ausstellung von Erich Grisar (Foto G. Wegner)

Für unsere Kolleginnen und die Gäste war es ein Stück neu erfahrenes Ruhrgebiet. Sollte jemand noch Lust haben Zeche Zollern zu besuchen, bekommen Sie unter Sie verlassen die Internetseite Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Zeche Zollern Auskunft.

gw