Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
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Von der Haut zum Leder

9.3.2017

Wir kaufen eine Ledergarnitur, eine Tasche oder andere Artikel, manchmal sehr günstig, manchmal auch sehr teuer. Wie kommt es zu diesen Preisunterschieden und wie erkennt man gute Lederwaren?

Dazu begaben sich die Kollegen der Region Ruhrgebiet in das Sie verlassen die Internetseite Leder- und Gerbermuseum nach Mülheim a.d.R. Die Museumsleiterin Melanie Rimpel veranschaulichte uns den Weg der Haut bis zum Fell, erläuterte die unterschiedlichen Lederqualitäten und gab uns Sprichwörter mit auf den Weg.

Die Lederproduktion erreichte um 1920 in Mülheim Ihre Hochzeit und war Lederstadt Nr. 1 in Deutschland. Wir erfuhren, dass die kleinen Zuflüsse der Ruhr das Wasser für die Säuberung der Felle lieferten, denn die Ruhr war regelmäßig überschwemmt und ließ die „Felle davonschwimmen“.

Das Fell

Abbildung 1: Das Fell

Es wurden überwiegend Felle von Rindern verarbeitet. Die Arbeitsprozesse sind Wässern, Enthaaren, Entfleischen, Spalten, Gerben, Färben, Trocknen, Zurichten.

Beim Enthaaren wird „vom Leder gezogen“. Die haarlose aufgeschlossene Haut nennt man Blöße (sich keine Blöße geben), die dann gegerbt wird. Wir erfuhren, dass früher mit Baumrinde oder anderen Stoffen (auch Urin) gegerbt wurde, heute mit Chemikalien. Das Gerben stank übrigens bestialisch. Am Ende des Prozesses steht das Zurichten, indem das Leder seine endgültigen Eigenschaften und Aussehen erhält. Z. B. kann die Oberfläche auch mit Lacken besprüht werden. Hier kommt es auf Verfahren, Güte und Menge der Lacke an. Bei einigen Verfahren verliert Leder jedoch seine guten und wärmenden Eigenschaften.

Enthaaren des Leders

Abbildung 2: enthaaren des Leders

Anilinleder sind mit Anilinfarbstoffen durchgefärbte Leder, offenporig und ohne Farbschicht auf der Oberseite. Es dürfen nur Häute ohne Fehler eingesetzt werden, denn die Hautstruktur bleibt hier erhalten. Dieses Leder ist wertvoll und teuer, jedoch auch empfindlich gegenüber Schmutz, Wasser und Sonnenlicht (bleicht aus). Es wird also wie der Volksmund sagt „speckig“.

Als Semianilinleder werden Leder bezeichnet, die nur eine schwache Pigmentschicht aufweisen.

Oft wird auf Anilinleder noch eine Farbschicht aufgelegt, die das Leder vor Wasser schützt und es fleckunempfindlicher macht. Wenn aber Poren durch Lack völlig verschlossen werden, gehen die vorteilhaften Eigenschaften verloren. Daher erläutert Frau Rimpel für den Kauf einer Ledergarnitur: „Setzten Sie sich im Geschäft immer länger auf das favorisierte Möbelteil. Wenn es nicht warm und angenehm ist, wird es auch zu Hause nicht besser“ und „Wenn Leder abwaschbar ist, hat es seine geschätzten Eigenschaften verloren“.

Wir bekamen einen weiteren Tipp: Da in manchen Ländern zur Bearbeitung von Leder Fischöl eingesetzt wird, immer vor dem Kauf am Leder riechen. Die Qualität ist gut, aber der Geruch bleibt.

Bei „billigem“ Leder werden Felle mit Fehlern verarbeitet und entsprechend zugerichtet, damit diese überdeckt werden.

Das Zunftzeichen

Abbildung 3: das Zunftzeichen

Frau Rimpel, die selbst die Ausbildung zur Gerberin absolvierte, gab uns so viel an Wissenswerten mit auf den Weg, dass man die Fülle nicht wiedergeben kann. Ein Besuch im Leder- und Gerbermuseum kann daher nur empfohlen werden. Infos bekommt man unter: Sie verlassen die Internetseite http://leder-und-gerbermuseum.de/.

gw