Landesverband hauswirtschaftlicher Berufe MdH NRW
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Eine Region im Kloster Saarn

18.7.2016

Ehemaliges Äbtissinnenhaus
Ehemaliges Äbtissinnenhaus

Wie sah das Leben in dem Kloster der Zisterzienserinnen Mariensaal in Saarn aus und welche Klosterregeln gab es im Mittelalter? Um hier nähere Auskunft zu erhalten, tauchten wir unter der Führung von Wolfgang Geibert in eine mittelalterliche Welt, die er uns mit Versen aus Gedichten und Anekdoten gespickt, vermittelte.
Das Kloster wurde 1214 gegründet, war der kulturelle Mittelpunkt, genoss Wohlstand und Ansehen und wurde 1808 säkularisiert. Teile des Gebäudes sind noch heute präsent. Von 1214 bis 1808 haben nachweislich 36 (adelige) Äbtissinnen den Konvent mit meist 10 Nonnen geführt, die erste war Wolberna, die letzte Agathe von Heinsberg.
Nun ist eine Klostergründung nicht nebenbei möglich, sondern Voraussetzungen sind Gebäude und Land, die Aufnahme in einen Orden, hier der Zisterzienser und das Klosterprivileg des Papstes, damit es unter dessen Schutz steht und Rechte bekommt, z. B. besaßen sie das Mühlenrecht und das Recht Steuern einzunehmen.

Innenraum der Kirche
Innenraum der Kirche

Die Aufnahme in ein Kloster ist streng geregelt. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Mitgift. Da diese geringer war, als die Mitgift für eine standesgemäße Heirat, lag hier möglicherweise ein Grund für die Familie vor, eine Tochter ins Kloster zu senden. Viele Frauen gingen aber gern ins Kloster, um der Willkür eines Ehemannes zu entgehen. Außerdem war das Leben in einem Kloster zu derzeit auch chic. Dafür nahmen die Bewerberinnen die 4-5 Fastentage und Befragungen durch die Äbtissin und Konvent in Kauf. Die 3 Hauptregeln für eine Nonne waren und sind es bis heute: Armut (sie durften keine persönlichen Gegenstände besitzen) Keuschheit und Gehorsam. Dafür erfahren die Frauen Bildung durch Lesen und Schreiben.
Im Laufe der Jahre haben sich nicht nur die baulichen Gegebenheiten des Klosters Saarn, sondern auch das Zusammenleben der Nonnen untereinander verändert. Das strenge Klosterleben, das auf die Regeln des heiligen Benedikt (die Regula Benedicti) zurückging, wurde im 18.ten Jahrhundert aufgeweicht. So wurde in der Regel z. B. 4 Stunden des Tages mit Beten verbracht, außerdem durfte nur zu wenigen Zeiten gesprochen werden. Im Refektorium (Speisesaal) herrschte bis auf die Stimme der Vorleserin absolute Stille. Wer etwas gereicht haben wollte, verständigte sich per Handzeichen. Auch die Anzahl der täglichen Mahlzeiten war bestimmt. Zwischen Pfingsten und dem 13. September wurde beispielsweise Mittwochs und Freitags bis zur neunten Stunde (etwa 15:00 Uhr) gefastet, es sein denn, an dem Tag wurde auf dem Feld gearbeitet oder es herrschte große Hitze. Selbst das Essen war geregelt. So durften keine Tiere mit 4 Füßen gegessen werden. In der Schöpfungsgeschichte wurden Fische, andere Seetieren sowie alle Arten gefiederter Vögel gemeinsam am fünften Tag erschaffen. Daraus folgerte: Wassertiere und Geflügel waren erlaubt. Aus den Anekdoten erfahren wir, dass Tiere geschossen und ins Wasser geworfen wurden, die dann zum Wassertier wurden – und – Biber und Otter wurden auch verspeist. Wir merkten also, Regeln sind auch Auslegungssache.

Der Kräutergarten
Kräutergarten im Kloster Saarn

Durch Funde von Gerätschaften rings um das Kloster, konnte man die damalige Lebensweise etwas nachvollziehen. Nachdem unsere „Chefin“ Urte Paaßen noch einige Dankeszeilen in das Buch des Museums geschrieben hatte, begaben wir uns zum Mittagessen in das Klostercafé. Nach einem ausgiebigen Blick in den Kräutergarten, konnten wir das „Dorf“ Saarn unsicher machen und trafen, um einem Regenschauer zu entgehen, zum Ausklang in einem Café zusammen.

gw.